Interview mit dem Ersten

26. September 2015 at 22:46

Wer sich bei Lumifaktur die Liste der Fotografen anschaut, sieht ihn immer als ersten, Alexander Becker. Wer sich sogar die Mühe gemacht hat, mal sein Profil zu lesen, weiß, mit wem wir hier heute reden.
Nachdem Alexander zuletzt hier einen „Volltreffer“ gelandet hat, machten wir uns auf, um sein Interview nachlegen zu können. Seine Antworten auf die ja mittlerweile schon recht bekannten Fragen sind anders, lassen uns mal über unseren eigenen fotografischen Weg nachdenken und sind doch anregend und inspirierend.

Lumifaktur: Wie lange fotografierst du schon?
Alexander B.: Nachdem ich einmal von einem Urlaub mit drei verknipsten Filmen nach Hause gekommen bin und mir kein einziges Bild davon gefallen hat, habe ich beschlossen, mich ernsthaft um das Fotografieren zu bemühen.
(Lacht…) Damals, das war vor etwa 15 Jahren, da erschienen mir drei Filme unglaublich viel!

Lumifaktur: Wie bist du zur Fotografie gekommen, gab es ein besonderes Schlüsselerlebnis für dich?
Alexander B.: Ja. Kurz nach jener selbstkritischen Erfahrung habe ich zwei Foto-ausstellungen besucht. Die eine war von einer Fotokünstlerin namens Susa Templin, die andere von der Frankfurter Fotografin Abisag Tüllmann. Diese Fotos – so unterschiedlich sie sind – haben mich so sehr beeindruckt, dass ich sie noch heute vor mir sehe. Ich habe damals erfahren, wie stark Fotos beeindrucken können, weil sie immer ein Stück der Wirklichkeit enthalten und transportieren, dass nur für einen Moment bestanden hat.

Lumifaktur: Wo liegen deine persönlichen Schwerpunkte (digital/analog, SW oder Farbe)?
Alexander B.: Derzeit eindeutig beim analogen schwarz/weiss.

Lumifaktur: Was sind die Lieblingsmotive und wo findest du sie vorzugsweise?
Alexander B.: Also meine Lieblingsmotive sind Menschen in Kontexten wie Räumen, Städten oder besonderen Situationen. Manchmal aber auch Landschaftsaufnahmen.

Lumifaktur: Woraus besteht deine Ausrüstung (Kamera, Objektive, Stative, etc.)? Gibt es so etwas wie eine Lieblingskamera bei dir?Alexander B.: Ich habe im Laufe der Zeit viele Kameras durchprobiert und dabei viel Lehrgeld gelassen. Ich hoffe, dass es sich jetzt bei der Hasselblad 500 mit 50mm, 80mm und 150mm-Objektiv stabilisiert. Dann kommen noch eine Hasselblad SWC mit 38mm-Objektiv, sowie eine alten Pentax SV Kleinbildkamera mit diversen Objektiven hinzu. Meine einzig verbliebene Digitalkamera ist eine Fuji X100.

Unter diesen Kameras ist die Hasselblad meine Lieblingskamera. Sie liegt sehr gut in meiner! Hand, ich mag es, das Bild im Lichtschachtsucher vorab zu komponieren. Zudem mag ich auch, meistens, das deutliche Auslösegeräusch. Der Nachteil ist, dass sie für Street-photographie in der Regel zu langsam ist.

Lumifaktur: Wenn du analog fotografierst, gibt es noch ein aktives Fotolabor bei dir?
Alexander B.: Nein, aber ich entwickle selbst, im Badezimmer.

Lumifaktur: Printest du deine Bilder selbst oder lässt du das machen?
Alexander B.: Ich scanne und printe die Bilder selbst. Von Anfang an wollte ich den gesamten Prozess selbst durchführen. Hätte ich diesen Ehrgeiz nicht gehabt, hätte ich allerdings viel Geld und noch viel mehr Zeit sparen können…

Lumifaktur: Was bringen dir die Diskussion und der Gedankenaustausch auf Lumifaktur?
Alexander B.: Ich schätze an Lumifaktur die Bandbreite der fotografischen Themen und Techniken.

Lumifaktur: Und hier natürlich die ganz persönlichen Fragen…..
Hast du einen „Geheimtip“ zum Fotografieren für uns?
Alexander B.: Hm… (überlegt). Wenn ich an einen Ort komme, habe ich natürlich meistens irgendwelche Vorstellungen vom Ort im Kopf, die aus Bildern bestehen, die ich schon mal irgendwo gesehen habe. Ich versuche aber, möglichst neutral den Eindrücken gegenüber zu stehen, die ich an Ort und Stelle bekomme und darauf zu achten, worin sich der Ort für mich am stärksten verdichtet. Wenn es mir dann gelingt, einen solchen Eindruck in ein Foto zu bringen, bin ich zufrieden.

Lumifaktur: Hast du eine Art Lieblings-Lokation, wo du hingehst um dich zu inspirieren?
Alexander B.: Eher nein. Ich finde es sogar schwierig, Orte, die ich gut kenne, zu fotografieren. Wahrscheinlich sind die Bilder von solchen Orten in meinem Kopf schon zu fest gefügt.

Lumifaktur: Hast du ein besonderes Bild für uns, dass wir zusammen mit deinen Antworten im Blog auf Lumifaktur zeigen können?Alexander B.: Gerne. Eines meiner Lieblingsbilder aus diesem Jahr entstand im Museo Faini in Orvieto. Als ich die Vase in der Ecke des Treppenhauses sah, dachte ich sofort „Das ist es!“
Die klaren Linien von Fenster, Wand und Fußboden schaffen eine sehr ruhige Atmosphäre, den Rissen und Flecken in der Wand merkt man aber doch den Verlauf der Zeit an. Und die antike Vase stand nicht nur sehr schön im sanften Licht durch die Fenster, sondern lockert mit ihren runden Formen auch die geraden Linien auf.

Orvieto, Museo Faini Hasselblad, Planar HP5, HRX

Orvieto, Museo Faini
Hasselblad, Planar
HP5, HRX

 

Link zur Serie „Fenster“

Zum Profil von Alexander Becker auf Lumifaktur